Das Brauchtum

Die Semmerenger Fasnet feierte 1998 ein besonderes Jubiläum: Vor genau 275 Jahren wird das "Bräuteln" zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Im Fürstlichen Archiv existiert in den Beilagen zur Renteirechnung Sigmaringen aus dem Jahre 1722/23 eine Ausgaben-Notiz mit dem Wortlaut: '*9. Februar 1723, zufolge gnädigsten Befehl denen jungen Gesellen allhier vor die gewöhnliche Aus Kaufung des Bronnen Tragens, 4 Gulden, 10 Kreutzer." Der damalige Fürst Josef von Hohenzollern-Sigmaringen hatte sich am 20. April 1722 mit Franziska Ludowika Gräfin von Oettingen-Spielberg vermählt und kaufte sich an der darauffolgenden Fasnet vom Bräuteln frei.

Das Historische Bräuteln wird demnach in seiner jetzigen Form seit annähernd drei Jahrhunderten so gepflegt und ist der Höhepunkt der Semmerenger Fasnet. Nach alter Überlieferung sei es nach dem 30jährigen Krieg entstanden. Die jungen Leute hätten angesichts der allgemeinen Not die Lust am Heiraten verloren. Als sich schließlich doch einer der jungen Burschen traute, hätten ihm seine Kameraden versprochen, ihn an der Fasnet auf einer Stange unter Trommeln und Pfeifen um den, Marktbrunnen zu tragen. Der Brauch geht aber wohl auf ältere Vorbilder zurück, die in Sigmaringen schon Ende des 16. Jahrhunderts erwähnt werden.

Im Februar 1672 verbietet Fürst Meinrad 11. von Hohenzollern-Sigmaringen jedenfalls den groben Brauch, Gesellen in den Stadtbrunnen oder sogar in die Donau zu werfen. Möglicherweise bildet dieses Verbot den Übergang zur heutigen Form. Jedenfalls feierten die Sigmaringer 1872 eine 200-Jahrfeier ihres Bräutelns.

Anders als Fürst Josef vor 275 Jahren haben sich einige seiner Nachfolger und unzählige bürgerliche Ehemänner nicht gescheut, den Ritt auf der Stange zu wagen. Und auch in diesem Jahr sind die grünen, silbernen und goldenen Hochzeiter sowie Zugezogene, die auswärts im Hafen der Ehe gelandet sind, eingeladen, sich am Fasnetsdienstag bräuteln zu lassen.



Die Entstehung des Bräutelns

Die bekanntere, aber vermutlich falsche Version ist, daß es nach dem 30-jährigen Krieg entstanden ist. Die Bevölkerung habe, von Not geplagt, die Lust selbst am Heiraten verloren. Als sich schließlich doch einer der jungen Burschen traute, zu heiraten, hätten ihm seine Kameraden versprochen, ihn an der Fasnet auf einer Stange und unter den Klängen von Trommeln und Pfeifen um den Marktbrunnen zu tragen.

Diese Version wurde z.B. auch auf dem Notgeld in den Jahren 1918 und 1920 festgehalten:

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Auf einer Postkarte von 1948 steht geschrieben:

Einscht hot onser Ländle so hoimg'sucht der Schwed',
Daß Koiner hot Luscht meh' zum Heirata g'hett,
der Erscht der's probiert hot in selbiger Zeit,
Den hot ma vor Freud um de Brunna rom trait.
Doch heut z'Tag isch umkehrt do hot mancher Bua,
d'Luscht wohl und s'Mädle, – koi Geld doch dazua,
koi Wohnung, nix z'essa, – koi Kinderwiag,
-s' ischt schlimmer als wia noch dem Schweda Kriag.

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Tatsächlich geht der Brauch aber wohl auf ältere Vorbilder zurück, wie das Gesellenbaden, das in Sigmaringen schon Ende des 16. Jahrhunderts erwähnt wird und auch in einer Verordnung vom Februar 1672 von Fürst Meinrad verboten wird. Möglicherweise bildet dieses Verbot den Übergang zur heutigen Form. Jedenfalls feierten die Sigmaringer 1872 eine 200-Jahrfeier ihres Bräutelns. In seiner jetzigen Form läßt sich das Bräuteln mit Sicherheit seit dem Jahre 1723 belegen. Grüne Hochzeiter und die Hochzeitsjubilare, sowie Neubürger, werden all jährlich eingeladen, diese Ehre anzunehmen und sich vor allem Volk auf der Stange zu präsentieren.


Erste urkundliche Erwähnung

urkunde

'9. Februar 1723, zufolge gnädigsten Befehl denen jungen Gesellen allhier vor die gewöhnliche Aus Kaufung des Bronnen Tragens, 4 Gulden, 10 Kreutzer'

Der damalige Fürst Josef von Hohenzollern-Sigmaringen hatte sich am 20. April 1722 mit Franziska Ludowika Gräfin von Oettingen-Spielberg vermählt und kaufte sich an der darauffolgenden Fasnet vom Bräuteln frei. Dieser Freikauf lässt darauf schliessen, daß es eine schon länger bestehende Tradition war, daß Hochzeiter sich freikaufen konnten, und auch das Fürstenhaus dieser Tradition nicht ablehnend gegenüber stand.



Übergabe der Bräutlingsstange

Vorspiel zum Historischen Bräuteln ist die Übergabe der Bräutlingsstange an die Bräutlingsgesellen am Fasnetssonntagmorgen auf dem Marktplatz. Damit übernehmen die Narren die Macht in der Stadt, und der Bürgermeister wird abgesetzt.

Die beginnende Fasnet wird in Sigmaringen mit dem Ruf begrüßt:

Jetzt ischt d`Fasnet wieder komma-
Voller Luscht und Narretei-
D'Stang und d`Fahna han mr gnomma-
Wia des Brauch von alters sei! -
Wia vor viela hundert Johra-
Wo der Brauch entstande ischt-
Gschiehts au heut, wo's Fasnet wora-
Dass der Brauch jo it verlischt.

Nach der Übergabe der Bräutlingsstange führt der Ober-Bräutlingsgeselle einen Rundtanz zur Dideldo-Melodie aus.



Einladen der Bräutlinge

Anschließend ziehen die Bräutlingsgesellen durch die Stadt und laden die Bräutlinge zum 'Historischen Bräuteln' ein.



300 Jahre Historisches Bräuteln in Sigmaringen